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Im Bunt Raum für das Vergessen
Illustrationen zum Thema Demenz

Diese drei Arbeiten sind ein Protokoll des Verschwindens und zugleich ein Bekenntnis des Erinnerns. Sie folgen einem Menschen durch drei persönliche Stadien der Demenz: dem scheinbaren Selektieren, dem Versiegeln und dem Verlieren, ohne dabei die Lebensfreude aus den Augen zu verlieren, die diesen Menschen ausmacht. 

 

In leuchtenden Farben, klaren Formen und einer feinen, trennenden Schicht zwischen Vorder- und Hintergrund verdichten sich die Perspektiven auf die Herausforderungen des Lebens mit Demenz, auf das Erleben und den Verlust. Gleichzeitig spiegelt sich in jedem Bild meine große Wertschätzung für das Leben wider.

 

Es ist der Versuch, eine Bildsprache zu finden, um das Unsichtbare zu übersetzen.

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Selektiert

(Bild 1/3)  In der frühen Phase der Demenz wählte dieser Mensch Erinnerungen aus wie kostbare Früchte. Er griff mehr und mehr nach dem, was leuchtete, und ließ das Dunkle beiseite. Dabei formte er die Vergangenheit nach seinem eigenen inneren Bild. Bis hin zu einer feinen Uminterpretation der Familiengeschichte. Diese Umdeutung war kein bloßes Vergessen, sondern ein schöpferisches Überblenden, als würde das Innere Schatten übermalen, um das Licht zu verstärken. Es ist die Phase, in der das Gedächtnis noch aktiv auswählt, aber bereits beginnt, die Wirklichkeit zu filtern und eine neue Welt zu erzeugen. 

Versiegelt

(Bild 2/3)  Mit dem allmählichen Versiegeln des Geistes bleibt der Wunsch, Teil des Gemeinsamen zu sein, ungebrochen. In dieser Phase der Demenz wurde für diesen Menschen die Verbindung zur Außenwelt schwächer, doch das Bedürfnis nach Verbundenheit blieb bestehen. Die Früchte im Bild sind Sinnbilder für diesen Menschen. Er ist noch immer physisch präsent, macht sich nicht klein, aber dennoch rinnt alles um ihn herum an ihm vorbei. Selbst die gelben Wolken, die über ihm hinwegziehen, das wohlwollende Außen, aus dem Hilfe, Beschäftigung oder Informationen regnen könnten, erreichen ihn nicht mehr. All das perlt an der Oberfläche der Demenz ab. Dabei handelt es sich nicht um einen stillen Rückzug ins Unsichtbare, sondern um ein Geschehen im Sichtbaren: Die Person sitzt am Tisch, nimmt auf ihre Art teil, doch zwischen ihr und der Welt bleibt vieles verschlossen.

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Verloren

(Bild 3/3)  Wenn die Erinnerungen und die Früchte des Lebens eines Menschen mit Demenz allmählich verblassen, klammert sich das Umfeld mit Hoffnung an das, was noch erinnert wird. Doch wenn im Lebensbaum des Erkrankten auch die Menschen verschwinden, die weiterhin eine wichtige Rolle in dessen Leben spielen, beginnt für ebendiese Begleiter ein schmerzlicher Verlust. Es ist der Moment, in dem man selbst aus der inneren Welt des geliebten Menschen verschwindet. 

 

Ein Freund, dessen Vater mit fortschreitender Demenz ihn nicht mehr erkannte, sagte einmal: „Das ist der erste Tod.“ In dieser Phase verlieren nicht nur die Erkrankten zunehmend ihr Selbst, sondern auch die Angehörigen einen Teil ihrer Identität, weil sie im Bild des Anderen nicht mehr existieren. Alles entschwindet, bis es verschwindet.

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